Vom 29.6. bis 1.7. 1995 fand die alljährliche Lehrveranstaltung "Experimentelle Archäologie" im Museum für Urgeschichte in Asparn/Zaya statt - wie jedes Jahr nützten wir die Gelegenheit und das Platzangebot im Asparner Freiluftgelände um eine Reihe von Experimenten durchzuführen. Schwerpunkte waren die Verzierung von Keramik mit Graphit, das Drechseln von Bein- und Geweihschmuck auf einer einfachen, mit dem Fidelbogen betriebenen Drechselmaschine, der Guß von komplizierten Bronzeobjekten in verlorene Formen, die nach ethnologischem Vorbild im Wachsausschmelzverfahren hergestellt worden waren und nicht zuletzt die Verarbeitung von Eisen nach frühmittelalterlichen Befunden und Techniken - vom Erz bis zur fertigen Axtklinge.

Im September des vergangenen Jahres wurde im Museum Asparn unter der Leitung von Wolfgang Lobisser eine Teilrekonstruktion des bekannten neolithischen Brunnenbefundes von Erkelenz durchgeführt. Mehrere Kollegen aus dem Arbeitskreis waren an der Vorbereitung und Durchführung der Arbeit beteiligt. Obwohl ein wesentlicher Teil der Holzarbeit mit modernen Werkzeugen ausgeführt wurde waren wir bestrebt, jeden Schritt auch mit rekonstruiertem neolithischem Gerät auszuführen. Mit geschliffenen Felsgesteinsbeilen, Holzkeilen und Knochenmeißeln wurde ein Baum gefällt, geschält, aufgekeilt und zu Spaltbohlen verarbeitet sowie zu einem Brunnenkasten zusammengefügt. Fünf Kollegen des Arbeitskreises waren vom 25.9. bis 29.9. in Mühlbach am Hochkönig/Salzburg mit der Durchführung von Experimenten zur Verhüttung sulfidischer Kupfererze beschäftigt. Im Rahmen eines im vergangenen Jahr schon zum zweiten Mal in Mühlbach abgehaltenen Treffens der experimentellen Montanarchäologie hatten wir die Gelegenheit, von der Gewinnung des Erzes bis zur Raffination des fertigen Kupfers alle Teilaspekte einer bronzezeitlichen Hochtechnologie zu rekonstruieren.

Auf Einladung von Herrn Arne Lucke vom archäologischen Freilichtmuseum Hitzacker/Elbe nahmen wir mit einem Vortrag und einem Poster zu den Themen Kupfer/Zinntechnologie der Bronzezeit am internationalen Symposium Experimentelle Archäologie 1995 (14. u. 15. 10.) in Hitzacker teil. Eine Publikation der Beiträge ist - wie bereits üblich - im Rahmen der Beihefte zu den Archäologischen Mitteilungen aus Nordwestdeutschland geplant.

Unsere Kollegin Natalie Tuzar hatte im Verlauf des vergangenen Novembers auf Einladung des Kulturparks Kamptal die Gelegenheit, mehrere Vorträge zum Thema Experimentelle Archäologie vor einem interessierten Lehrerpublikum zu halten, Zweck dieser Veranstaltungen war es, auf die Möglichkeit der Vermittlung von Geschichte durch Vorführung der Ergebnisse der Experimentellen Archäologie hinzuweisen.

Zwei Filmvorführungen unseres Arbeitskreises zu den Themen "Bestattung" und "Keramikproduktion" anhand ethnologischer Beispiele erwiesen sich als Publikumserfolg - eine Fortsetzung dieser Vorführungsreihe ist daher für das Sommersemester 1996 geplant.

H. Herdits

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 7/3, 1996, 1112.

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