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Gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie triton wurde im Innenhof des Hauses "Zum Roten Löwen" in der Lacknergasse in Wien Währing eine Brunnenanlage untersucht. Der ca. 34 m tiefe und 2,2 m durchmessende Brunnen wurde aus Gründen der Sicherheit zuerst ausgiebig mit einem selbstkonstruierten ferngesteuerten Videoschlitten untersucht und erst nach ausreichenden Sicherungsmaßnahmen insgesamt dreimal betaucht. Die Bauweise des Brunnens entspricht bis auf geringe Details exakt den Anweisungen der Brunnenbauer in Wien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die erste Erwähnung eines Besitzers des Hauses "Zum Roten Löwen" stammt ca. von 1540. Unsere Erwartungen, im Brunnen noch älteren Baubestand nachweisen zu können, wurden nicht erfüllt. Wahrscheinlich wurde der Brunnen im Zuge von Umbauten für eine geplante Großwäscherei um das Jahr 1872 vollständig neu errichtet. Das Projekt, das zeitweise auch durch Filmaufnahmen für "Subterra Incognita - Der unterirdische Wien-Film" begleitet wurde, war vor allem als Erfahrungsgrundlage für die Arbeit auf beengtem Raum unter schwierigen Bedingungen wichtig und wird vermutlich noch weitere Brunnenuntersuchungen im Wiener Stadtgebiet nach sich ziehen.

Am 9. Dezember hatten wir Ralf Bleile von der Christian-Albrechts-Universität Kiel zu Gast, der über "Amphibische Archäologie in den Binnengewässern Norddeutschlands" sprach. Besonders aufschlussreich waren seine Untersuchungen zu den Wasserstandsveränderungen der Seen in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit der slawenzeitlichen Nutzung von Inseln. Bei dem anschließenden Postkolloquium wurden die ersten Ideen einer Projektkooperation geboren, bei der uns die Erfahrungen der Kollegen in der Prospektion von Binnengewässern mit dem Sedimentsonar besonders nützlich sein können.

Cyril Dworsky

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 16/3, 2005, 7.